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HELGO-LAND - HILLIG LUNN








Storys


Miin ool Poor Sku

Don’ns iip Lun wear dja glaad en blank, en nä sen dja spürremi en alheel fol Leäsken. De Seeln sen dübbelt en trebbelt oawer-arker spikkert, en feer djaape dja fan. Iip ’e Nekkelsen set Lapper, en de Hakken sen sönner Ledder; dja sen blooat suáárt wikset.
Soo stun dja nä feer mi en begen: „Wets ’e no? Wets ’e no, ho ’t iip Lun wear? Wear wi uun ’e Boan wuunt? Beäf ’e Hiis de Kläow fol fan djong Heenerbooamen, en uun ’e Sömmer bloiet dear Komeln en deät wül Kuáál. En feer luuket wi iip ’et Weeter it, soag de Pint fan ’e Bräi en aal de Booats lain en de Dampers keemen en gungen. Hofelmoal sen wi langs ’e Boan gingen, hofelmoal! En hofelmoal hoa wi uun Win en Wedder langs Klef koiert! Wets ’e no, es en Hooielkeäk it Nürwessen küm en is plat smeät? Iip aal schtjuur mos wi uun ’t Li fan ’e Pantsertoorn kreep, iáár ’t weer lokket, oawer-iáán aptukeemen. Hofelmoal sen wi mank Steaner en Tung deerpoost, wan deät Weeter rin-om ’e Beers lüp en de See’n oawer ’e Bräi ging! Uun ’e looam Sömmerinner hoa wi iip ’e Pint fan ’e Bräi stin’n, harket noa de Musiik, dear man soo iiwen fan ’e Beers hiir itskalt; en djin ’e Püllerten glukkert de See’n en druug sellewer Steern iip herrem Räin.
En dan küm de Krich med aal siin Büsterkens. Hofelmoal iip ’e Dai mos wi uun ’e Bunker tu Skiil loop, en ho bliid wear wi, wan wi weer itküm en hid no en Hentüs!
Oaber dan küm de Dai, dat alles feerbi wear, dat ii aarem Lun uun Iáál en Reak tugrin ging en wi fandan mos. No iáán Moal sen wi hentüs kotjet, deer de Bompentroachters ap en deel, om no iáán Moal weer de Plak tu sin’n, wear wi aal de Djooarn lewwet en boomet hid. Do hoa wi de iáárs Boisen fin’n.
Soo küm wi dan iip ’e Fastewal uun, en Ruksak oawer ’e Nak, en Koffer uun ’e Hun en en Kroanken iip ’e Beer. Tree Wekken leeter ging ii Moat dear fandan. Aleen hoa wi beäf ’e Fat gingen, en alinstigerleen hoa wi bi ’t Graf stin’n. 
Do mos wi man luuke, ho wi aleen fiider küm. Alles wear frem, keen Mensk, wear wi med fan ’t Lun snakke kiid. En de Wain wear soo lung, en huállow Stin mos wi alle Dai loop om en Slach Doawert. En deät en poor Djooar alledentlige Dai.
De iáárs Wiinachen skul wi noa de Ooider-Ufdemmung noa Noorderstoapel. De In oawer Klok seeben für wi wech. „Iip uf“, sooit ii Moat, dear is ufhoalt hid, „dat wi no soo tids uun Freerkstad uunkeem, dat wi feer ’e Speerstin deer ’e Stad keem en de Chaussee beät wen. Wi mut dan no tau Stin gung. Komt de Ingelsman, mut wi uun ’e Groabens iin. Sen wi iáárs uun ’e Dörper, es dear niks uun ’e Wai; dear komt hi med siin Jeeps ni mear hen.“ En deät lokket: Fürtel noa elben soag wi de Lampen fan de Sliisenwachter siin Hüs deer ’et Teek skümmern. Wi wear tu Steed.
De uur Djooar küm weer de Ruksak oawer ’e Nak; deät ging noa Tennung tu. Deät freäs Bakkersteaner, en dear looi soo fel Sni, dat de Iisenboan man iiwen deerkeem kiid. Es wi uun Hüssem uunküm, wear de Boan noa Tennung al loang wech. Dear seät wi nä. Med en Skeel ging wi noa de Kritswai, hül ii Hun ap, ob is ni en Wain mednem wul; oaber deät hülp niks. „Wi gung tu Fut, welk wel med?“ hit ’et. „Ho loang?“ froaget wi. „Fiuw Stin.“ – „Fiuw Stin deer Sni en Is! Neä, dan bliuw wi hiir.“
Soo mos wi man weer noa de Boanhof turäi. Bi is iip Sid seät en frailat Saldoat. „Klok seeben skel ik noa ’t Rooad Krits keem,“ sooit hi, „ik kan dear oawer Noach bliuw“. Hi ging en küm ni weer. „Man noa!“ toch wi bi is sallow. Es wi de Deer fan de Brakken eepen moaket, iip iáánmoal en Stem: „Wüf uuder Man?“ – „Wüf.“ – „Dan tu lefter Hun ufswaie!“ En Toch, önner Toak wear wi! De Önnersbaader wear fer Wüffen med Letjen. Soo kotjet wi uun ’t Boppersbaad ap. De Söster küm med en Muk fol heat Koffi fer arkiáán. „Üllung frest ’et no söstain Groad, djüster wear ’t achtain.“
De uur Moorn Klok fiuw ging ’et weer fandan! Es wi noa Tennung noa de Market küm, looi de Plak sniwit feer is, wid en sid keen Mensk tu sin’n – blooat de Muun luuket oawer de Hiisder hen, en iip ’e uur Sid, dear bi de Kark, stiid en groot-beesti Wiinachenbooam. Iip ’e Twiigen baarnt eewi Leächter.
Dwars oawer fan ii Fenster lai de Haiker fan Wolmersdörp. Hofelmoal sen wi dear apkotjet! Feer is lait Meldörp, en betjen siidliker luukes oawer ’e Marschen hen, en de sellewer Streäk dear langs ’e Kümmen es deät Weeter, de Noordsee. 
Dollung hoa ik nai Sku. En Poor deftigen fer deät rumpeli Meldörper Bräietens, en uk en Poor lechen tu beeter uun. Oaber miin ool Poor Sku dja bliuw. En wan deät Aleenween mi oawermant, de Sennihait noa ’t Lun tu groot wart, hoale ik djam weer fandach, en dan hit ’et: „Wets ’e no?“ 
En slongs ik lewwe, bliuw dja bi mi: miin ool Poor Sku.

Meine alten Schuhe
Damals auf Helgoland waren sie glatt und blank, und jetzt sind sie rissig und voller Falten. Die Sohlen sind doppelt und dreifach übereinander genagelt, und vorne klaffen sie auseinander. Über den Knöcheln der Zehen sitzen Flicken, und die Hacken sind ohne Leder; sie sind nur schwarz gewichst. 
So stehen sie jetzt vor mir und beginnen: „Weißt du noch? Weißt du noch, wie ’s auf Helgoland war? Wo wir in der Siemensterrasse, der alten Seilerbahn, wohnten? Hinterm Haus der Felsen voll junger Ahornbäume, und im Sommer blühten dort Kamille und der wilde Kohl. Und vorn schauten wir auf das Wasser hinaus, sahen das äußerste Ende der Landungsbrücke und all die Boote da liegen und die Dampfer kommen und gehen. Wie oft sind wir nicht die Siemensterrasse entlang gegangen, wie oft! Und wie oft sind wir nicht bei Wind und Wetter oben auf der Klippe spazieren gegangen! Weißt du noch, als ein Hagelschauer aus Nordwesten kam und uns zu Boden warf? Auf allen vieren mussten wir in Lee vom Panzerturm kriechen, bevor es uns wieder gelang, auf die Beine zu kommen. Wie oft sind wir nicht zwischen Steinen und Seetang hindurchgewatet, wenn das Wasser rund ums Kurhaus lief und die Wellen über die Brücke gingen! An lauen Sommerabenden haben wir draußen auf der Brücke gestanden und der Musik gelauscht, die noch so eben vom Kurhaus herüberklang; und gegen die Pfeiler glucksten die Wellen und trugen silberne Sterne auf ihren Rücken.
Und dann kam der Krieg mit all seinen Widerwärtigkeiten. Wievielmal am Tag mussten wir nicht zum Schutz in den Bunker laufen, und wie froh waren wir nicht, wenn wir wieder herauskamen und hatten noch ein Zuhause!
 Aber dann kam der Tag, an dem alles vorbei war, unsere arme Insel in Feuer und Rauch zugrunde ging und wir sie verlassen mussten. Noch einmal sind wir nach Hause geklettert, durch die Bombentrichter rauf und runter, um noch einmal den Fleck zu sehen, wo wir all die Jahre gelebt und geschafft hatten. Da haben wir den ersten Knacks bekommen.
So kamen wir dann auf dem Festland an, einen Rucksack auf dem Buckel, einen Koffer in der Hand und eine Kranke (die alte erblindete Mutter) auf der Bahre. Drei Wochen später ging unsere Leidensgefährtin von dannen. Allein sind wir hinter dem Sarg gegangen, und mutterseelenallein haben wir am Grabe gestanden. 
Nun mussten wir sehen, wie wir allein weiterkamen. Alles war fremd, niemand, mit dem wir über Helgoland hätten reden können. Und die Wege waren so lang, eine halbe Stunde mussten wir jeden Tag um einen Schlag Mittagessen laufen. Und das jahraus, jahrein, Tag für Tag.
Die ersten Weihnachten sollten wir zur Eiderabdämmung nach Norderstapel. Abends um sieben Uhr fuhren wir ab. „Hoffentlich“, sagte unser Kamerad, der uns abgeholt hatte, „sind wir noch so zeitig in Friedrichstadt, dass wir vor der Sperrstunde durch die Stadt kommen und die Chaussee erreichen. Wir müssen dann noch zwei Stunden laufen. Kommt der Engländer, müssen wir in die Chausseegräben rein. Sind wir erst in den Dörfern, ist die Gefahr vorüber; da kommt er mit seinen Jeeps nicht mehr hin.“ Und das gelang: Viertel nach elf sahen wir die Lampen vom Haus des Schleusenwärters durch den Nebel schimmern. Wir waren am Ziel.
 *
Nächstes Jahr wurde der Rucksack wieder geschultert; es ging nach Tönning. Es fror Stein und Bein, und es lag so viel Schnee, dass die Eisenbahn gerade noch hindurchkommen konnte. Als wir in Husum ankamen, war der Zug nach Tönning schon längst weg. Da saßen wir nun. Mit einer kleinen Gruppe gingen wir zur Straßenkreuzung, hielten die Hand hoch, ob uns denn wohl nicht ein Wagen mitnehmen würde; aber es nützte nichts. „Wir gehen zu Fuß, wer will mit?“ hieß es. „Wie lange?“ fragten wir. „Fünf Stunden“. – „Fünf Stunden durch Schnee und Eis! Nein, dann bleiben wir hier.“
So mussten wir denn wieder zum Bahnhof zurück. Neben uns saß ein entlassener Soldat. „Um sieben Uhr soll ich zum Roten Kreuz kommen“, sagte er, „ich kann dort über Nacht bleiben.“ Er ging und kam nicht wieder. „Nur hinterher!“ dachten wir. Als wir die Tür zur Baracke öffneten, rief auf einmal eine Stimme: „Mann oder Frau?“ – „Frau.“ – „Dann nach links abschwenken!“ Ein Glück, wir waren unter Dach! Die unteren Betten waren für Frauen mit Kindern. So kletterten wir ins obere Bett. Die Schwester brachte für jeden einen Becher heißen Kaffee („Muckefuck“). „Heute Abend friert es noch sechzehn Grad, gestern waren’s achtzehn.“
Am nächsten Morgen um fünf Uhr machten wir uns wieder auf den Weg. Als wir in Tönning auf den Marktplatz kamen, lag der Flecken schneebedeckt vor uns, weit und breit kein Mensch zu sehen – nur der Mond lugte über die Häuser, und auf der anderen Seite, drüben bei der Kirche, stand ein riesiger Weihnachtsbaum. Auf den Zweigen brannte eine Menge Lichter. 
*
Schräg vor unserem Fenster liegen die Hügel von Wolmersdorf. Wie oft sind wir da nicht hinaufgestiegen! Vor uns liegt Meldorf, ein wenig südlicher sieht man hinaus über die Marschen, und der Silberstreifen dort am Horizont ist das Wasser, die Nordsee. 
Heute habe ich neue Schuhe. Ein Paar derbe für das holperige Meldorfer Kopfsteinpflaster, und auch ein Paar leichtere für gut. Aber meine alten Schuhe sie bleiben. Und wenn die Einsamkeit mich überwältigt, die Sehnsucht nach Helgoland zu groß wird, hole ich sie wieder hervor, und dann heißt es: „Weißt du noch?“ 
Und solange ich lebe, bleiben sie bei mir: meine alten Schuhe.

Mary Franz ©
http://www.helgolaendisch-halunder.de/71.html







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